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Wellensittich-Krankheiten: Das ist zu tun wenn Wellensittiche krank sind

Wie beim Menschen auch, bleibt es nicht aus, dass Wellensittiche krank werden. Hierbei ist nicht nur wichtig, Krankheitssymptome so früh wie möglich zu erkennen und ernst zu nehmen. Auch Erste-Hilfe-Maßnahmen und der Gang zum Tierarzt sind entscheidend für den weiteren Krankheitsverlauf. Wir zeigen in diesem Ratgeber, welche Symptome auf Krankheiten hindeuten können, was beim Gang zum Tierarzt zu beachten ist und was man bei kleineren Unfällen selbst tun kann. Auch auf Erste-Hilfe-Maßnahmen sowie die häufigsten Wellensittich-Krankheiten gehen wir näher ein.

Alarmzeichen – Wie man Krankheiten erkennen kann

Wellensittiche sind wahre Schauspieler, wenn es darum geht, ihren tatsächlichen Gesundheitszustand zu verbergen. Umso genauer muss man selbst hinsehen. Hierfür empfiehlt sich ein kurzer täglicher sowie ein umfangreicher wöchentlicher Gesundheitsscheck. Bei diesem sollte auf Verhaltensauffälligkeiten sowie auf eventuell bestehende Wunden geachtet werden. Je früher eine Krankheit erkannt wird, umso besser stehen die Heilungschancen. Nachfolgend zeigen wir deshalb Alarmzeichen, die einen Tierarztbesuch notwendig machen können:

  • aufgeplusterte Haltung
  • wenig Interesse an der Umwelt
  • struppiges und mattes Gefieder
  • dünnflüssiger, schaumiger, blutiger oder unangenehm riechender Kot
  • unverdaute Körner im Kot
  • Fressunlust
  • Auswürgen von Schleim bzw. Körnchen aus dem Kropf
  • Wippen mit dem Schwanz und herabhängende Flügel
  • vermehrtes Schlafbedürfnis und Apathie
  • äußere Verletzungen
  • rasselnde Atemgeräusche oder Schnappen nach Luft
  • unnatürliche Haltung von Kopf oder Extremitäten
  • Krämpfe, Taumeln oder Zittern

Der Gang zum Tierarzt

Bereits bevor man sich Wellensittiche als Haustiere anschafft, sollte man sich darüber informieren, wo es in der Nähe einen vogelkundigen Tierarzt gibt. Im Krankheitsfall erspart man sich viel Zeit, wenn man bereits einen Tierarzt kennt und weiß, wie man zu diesem gelangen kann. Normale Kleintierärzte sind zur Behandlung von Wellensittichen meistens wenig geeignet, weil sie nicht über das nötige Wissen verfügen. Sollte kein vogelkundiger Tierarzt in der Nähe sein, ist es wichtig, dass der behandelnde Tierarzt wenigstens eine Kotprobe bzw. einen Kropfabstrich nehmen und untersuchen kann. Außerdem sollte es die Möglichkeit einer Röntgenuntersuchung geben. Fachtierärzte für Ziervögel kann man über das Internet oder im Telefonbuch finden. Manchmal bekommt man auch wertvolle Tipps vom Züchter, bei welchem man die Wellensittiche geholt hat.

Für den Transport zum Tierarzt ist ein spezieller Krankenkäfig ideal. Man kann aber auch eine Transportbox nehmen. Gedacht werden sollte daran, etwas Körnerfutter oder eine Kolbenhirse mitzugeben. Für die notwendige Flüssigkeitszufuhr sorgt ein Stück Salatgurke. Damit der Wellensittich etwas weniger aufgeregt ist, sollte man den Partnervogel mitnehmen und den Vogelkäfig abstecken. Beruhigend wirken auch einige Tropfen Rescue Remedy, die man in den Nacken des Tieres gibt.

Muss man im Winter oder allgemein bei kühlem Wetter zum Tierarzt fahren, sollte man den Vogel gegen die Kälte und Zugluft schützen. Dies geht, indem man den Vogelkäfig mit einer Decke abdeckt. Man kann auch zusätzlich einen mit Luftlöchern versehenen Karton in den Käfig stellen und eine Wärmflasche mit nicht ganz heißem Wasser in den Käfig legen. Auch im Sommer kann der Transport zum Tierarzt gefährlich sein. Auf keinen Fall darf der Wellensittich Zugluft, die aus einer Klimaanlage im Auto strömt, ausgesetzt werden. Schatten spenden Handtücher, die über den Käfig gelegt werden.

Erste Hilfe – Was sollte ich tun?

Bei kleineren Unfällen kann man im Regelfall selbst handeln. Sollte sich nach einiger Zeit aber keine Besserung einstellen, ist der Gang zum Tierarzt unausweichlich. Kranke Tiere werden separat in einen Käfig gesetzt und nach Möglichkeit in einem anderen Raum untergebracht. Nur dann, wenn sich das kranke Tier wegen der Trennung von seinen Artgenossen stark aufregt, sollte man den Vogel im Schwarm belassen oder zumindest seinen Partner mit in den Käfig setzen. Eine beruhigende Wirkung hat es, wenn man den Raum, in welchen sich der kranke Vogel aufhält, etwas abdunkelt. Auch Wärme kann bei kleineren Verletzungen helfen. Angebracht ist auch leicht verdauliche Kost, zu denen halbreife Hirse, Quell- und Keimfutter gehören.

Falls es zu blutenden Wunden kommt, sollte man immer Blutstiller, wie in etwa Clauden Watte, einen blutstillenden Stift oder Lotagenlösung, im Haus haben. Wenn der Wellensittich stark blutende Verletzungen hat, sollte auf eine direkte Wärmebestrahlung verzichtet werden, damit die Durchblutung nicht noch zusätzlich angeregt wird.

Bei Knochenbrüchen oder einer Gehirnerschütterung muss so schnell wie möglich ein Tierarzt aufgesucht werden. Als erste Maßnahme können Gelblicht und Traumeeltropfen eingesetzt werden.

Die häufigsten Wellensittich-Krankheiten

Nachfolgend gehen wir auf die am häufigsten vorkommenden Wellensittich-Krankheiten ein. Dabei zeigen wir, anhand welcher Symptome man die jeweilige Krankheit erkennen kann, was die Ursache ist und welche Behandlung angestrebt werden sollte.

Durchfall

Durchfall erkennt man an dünnflüssigem Kot. Sowohl ein übermäßiger Genuss von frischem Futter als auch extreme Trauer, ein zu kaltes Bad oder ein Schock können hierfür verantwortlich sein. In diesem Fall sollte der Wellensittich kein Frischfutter mehr bekommen und stattdessen mit Tierkohle vermischte Körner gefüttert bekommen. Das Trinkwasser kann jetzt durch einen schwachen, lauwarmen Schwarz- oder Kamillentee ersetzt werden. Sollte der Durchfall trotz dieser Maßnahmen weiter anhalten oder sich Blut in den Kot mischen, ist der sofortige Gang zum Tierarzt erforderlich.

Erkältung

Wenn der Wellensittich häufig und heftig niest, eine nasse oder verschleimte Nase hat, leidet er höchstwahrscheinlich an einer Erkältung. Die Ursache dafür können extreme Temperaturschwankungen, zu trockene Zimmerluft aber auch Durchzug sein. Das kranke Tier muss nun warum gehalten und unbedingt vor weiterer Zugluft geschützt werden. Sollten die Symptome länger als 24 Stunden anhalten, sollte einen der Gang sofort zum Tierarzt führen.

Übergewicht

Wellensittiche, die träge werden, kaum noch herumfliegen und unter Übergewicht leiden, sollten eine Art Schonkost zu essen bekommen. Denn sowohl ein falsches oder übermäßiges Futterangebot als auch zu wenig Freiflug sind als Ursache für Fettleibigkeit ausfindig zu machen. Das Gewicht muss dann regelmäßig kontrolliert und das Futter in Rücksprache mit einem Tierarzt verändert werden.

Going-Light-Syndrom (GLS)

Nicht nur Wellensittiche, sondern alle Vogelarten, können am Going-Light-Syndrom erkranken. Wird diese Krankheit nicht behandelt, verläuft sie tödlich. Das Fatale ist, dass das Going-Light-Syndrom schubweise verläuft und die Krankheit meistens monatelang im Wellensittich schlummert, bevor es zu einem Ausbruch kommt. Ein Hinweis für das Going-Light-Syndrom ist, dass der Vogel das zum Teil verdaute Körnerfutter mit Schleim hochwürgt und an Gewicht verliert. Beim Tierarzt kann die Diagnose mit einem Kropfstrich gesichert werden. Dieser kennt verschiedene Möglichkeiten, die Krankheit unter Kontrolle zu bringen – zum Beispiel durch die Gabe von Amphomoronal. Man selbst kann aber auch einiges tun. Futterzusätze sind ebenso verboten wie industriell hergestellte Leckerlis und jeder Art von Obst. Als Ernährung bewährt haben sich Quellfutter und halbreife Hirse.

Kropfentzündung

Eine Kropfentzündung zeigt sich durch ein unkontrolliertes Hochwürgen von Schleim und Körnern, durch ein verklebtes Kopfgefieder und dadurch, dass der Wellensittich teilnahmslos und aufgeplustert in seinem Käfig sitzt. Giftige und unverträgliche Stoffe, bakterielle Infektionen, ein extremer Jodmangel sowie zu kaltes oder verdorbenes Futter können eine Kropfentzündung auslösen. In diesem Fall muss der Wellensittich sofort einem vogelkundigen Tierarzt vorgestellt werden. Dieser nimmt einen Kropfabstrich, um die Diagnose zu stellen. Ist diese gesichert, wird das Tier mit hochdosierten Antibiotika behandelt. Außerdem ist darauf zu achten, dass der Wellensittich Kolbenhirse und Quellfutter gefüttert bekommt.

Legenot

Weibliche Wellensittiche können unter Legenot leiden. Fast schon gesichert ist die Diagnose, wenn der Wellensittich ständig presst, angespannt ist, schwer und sehr schwach atmet. Dann haben sich Eier im Eileiter festgesetzt, die das Tier aus eigener Kraft nicht absetzen kann. Sowohl hormonelle Störungen als auch Stress, Kälte, Erkrankungen der Geschlechtsorgane oder ein Mineralstoffmangel kommen als Ursache infrage. Bei einem vogelkundigen Tierarzt kann durch einen leichten Druck auf den Bauch versucht werden, das Ei aus dem Legedarm zu befreien. Ist dieser Versuch erfolglos, muss das Ei bei einer Operation entfernt werden.

Lipome

Lipome oder Fett-Tumore zeigen sich durch lokal geschwollene Verdickungen, vorwiegend am Bauch. Mittlerweile geht man davon aus, dass ein genetischer Defekt für diese Krankheit verantwortlich ist. Damit der Körper des erkrankten Tieres nicht noch durch Übergewicht belastet wird, sollte jetzt auf eine besonders fettarme Ernährung geachtet werden. Ebenso wichtig ist eine regelmäßige Gewichtskontrolle. Wenn das Lipom den Vogel zu sehr behindert, kann der Tumor operativ entfernt werden.

Nierenprobleme

Wenn der Wellensittich teilnahmslos und matt dasitzt und der weiße Teil des Kots dünnflüssig ist, deutet dies auf Nierenprobleme hin. Die Ursache liegt in einer falschen Ernährung, aber auch ein Nierentumor kann hierfür verantwortlich sein. Die Behandlung erfolgt beim vogelkundigen Tierarzt mit speziellen Medikamenten.

Papageienkrankheit

Schläfrigkeit, Verdauungsprobleme, Augen, die durch Schleim verschmutzt sind, Atembeschwerden, Zittern und Schnupfen deuten darauf hin, dass der Wellensittich an der Papageienkrankheit leidet. Diese Infektion betrifft meistens junge Tiere. Nur in den ersten 10-12 Stunden ist eine Behandlung möglich, weshalb der sofortige Gang zum Tier Arzt wichtig ist. Die Papageienkrankheit kann tödlich enden, ist sehr ansteckend und deshalb meldepflichtig.

Lungenentzündung

Eine Lungenentzündung beim Wellensittich ist eine ernst zu nehmende Krankheit. Wird sie nicht behandelt, kann der Wellensittich sterben. Einer Lungenentzündung gehen meistens Veränderungen der Lunge, die durch Infektionskrankheiten, Parasiten sowie das Einatmen giftiger Gase oder Lösungsmittel entstehen, voraus. Symptome bei dieser Erkrankung sind Appetitlosigkeit, Schwanzwippen, Atemnot und Öffnen des Schnabels. Die meisten betroffenen Tiere sind außerdem apathisch und sitzen aufgeplustert auf der Stange. In jedem Fall muss ein Tierarzt aufgesucht werden. Hilfreich ist auch die Bestrahlung mit einer Rotlichtlampe, wobei der Wellensittich immer die Möglichkeit haben sollte, der Wärme auszuweichen. Daneben muss auch auf eine vitaminreiche Ernährung mit Vogelmiere, Salat und Möhren geachtet werden.

Parasiten

Wellensittiche werden nicht selten von Parasiten befallen, darunter Federlinge, Rote Vogelmilbe, Federspulmilbe, Kalkbeinmilbe, Schnabelräude und Räudemilbe. Ursachen und Symptome können höchst unterschiedlich sein. Meistens zeigen sich Parasiten durch einen starken Juckreiz. In jedem Fall muss eine Behandlung durch den Tierarzt erfolgen.

Verhornung der Haut

Eine übermäßige Verhornung der Haut, auch bekannt unter der Bezeichnung Hyperkeratose, entsteht durch eine Fehlbelastung, sowie durch Übergewicht und zu dünne Sitzstangen. Aber auch ein Mangel an Vitamin A kann diese Verhornung auslösen. Als Halter kann man zunächst versuchen, die Füße vorsichtig mit Salicylöl einzureiben. Dabei sollte das Öl nur ganz dünn auf die betroffenen Stellen gestrichen werden. Ist die Verhornung bereits weit fortgeschritten, helfen Vitamin-A-Injektionen vom Tierarzt.

Die Mauser

Bei Wellensittichen findet zwei-bis dreimal im Jahr die so genannte Mauser statt. Dabei wechseln die Tiere ihr Gefieder. Es handelt sich also nicht etwa um eine Krankheit wie oft angenommen, sondern um einen natürlichen Prozess. In diesem Zeitraum sollten die Wellensittiche mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen versorgt werden. Obst, Gemüse und Grünfutter sollten regelmäßig gefüttert werden. Beim Tierarzt bekommt man zudem unterstützende Präparate, die speziell für die Mauser geeignet sind.

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