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Artgerechte Haltung von Wellensittichen

Wellensittiche benötigen einiges an Pflege, damit sie sich wohl fühlen. Es ist die Aufgabe des Vogelhalters, dafür zu sorgen, dass es den Wellensittichen jederzeit gut geht. Dazu gehört zum einen, herauszufinden, ob Wellensittiche am besten einzeln, paarweise oder im Schwarm gehalten werden. Auf dieses Thema gehen wir ebenso detailliert ein wie darauf, wie man es schafft, ein Vertrauensverhältnis zu seinem Wellensittich aufzubauen. Zudem zeigen wir, was beim ersten Freiflug beachtet werden sollte und wie ein artgerechter Pflegeplan auszusehen hat.

Ist eine Einzelhaltung sinnvoll?

Leider wissen viele immer noch nicht, dass Wellensittiche nicht einzeln gehalten werden sollten. In Australien, der Heimat des Wellensittichs, leben die Tiere in großen Schwärmen von 20-100 Vögeln zusammen. Weil sie in der Natur meistens einen festen Partner haben, mit dem sie ihr Leben lang zusammenbleiben, kommt sowohl eine Haltung im Schwarm als auch eine Paarhaltung infrage. Alleine bleiben sollte der Wellensittich aber niemals. Egal, wie viel Zeit man mit seinem Tier verbringt, man kann diesem niemals einen Artgenossen ersetzen. Wer – aus welchen Gründen auch immer – nicht dazu bereit ist, zwei oder mehr Vögel, aufzunehmen, sollte sich nochmal gründlich überlegen, ob Wellensittiche die richtigen Haustiere für ihn sind.

Wellensittiche, die alleine gehalten werden, sind sehr anhänglich. Jedoch nur, weil ihnen nichts anderes übrig bleibt. Stellt man die Tiere vor die Wahl, würden sie einen Artgenossen dem Menschen vorziehen. Auch wenn der Wellensittich die Menschen um ihn herum liebt, können sie ihm niemals ein adäquater Ersatz für viele Dinge, die nur mit einem Artgenossen möglich sind, bieten. Tiere, die alleine gehalten werden, vereinsamen sehr schnell und zeigen oft Verhaltensstörungen.

Wie baut man Vertrauen auf?

Nachdem die Wellensittiche ihr neues Domizil bezogen haben, sollte man sie für einige Tage in Ruhe lassen, damit sie sich eingewöhnen können. Sobald Sie zur Ruhe gekommen sind und beim Wasser- und Futterwechsel nicht mehr wild umherflattern, kann man damit beginnen, sie zu zähmen. Dies ist allerdings gar nicht so einfach. Wie lange es dauert, bis der Wellensittich handzahm ist, hängt vor allem davon ab, welche Erfahrungen er bisher in seinem Leben gesammelt hat. Tiere aus der Zoohandlung haben meistens sehr große Angst vor Menschenhänden, weil sie ausschließlich schlechte Erfahrungen gemacht haben.

Auf keinen Fall sollte man seine Wellensittiche überfordern. Am Anfang reicht es vollkommen aus, die Hand mehrmals täglich ganz ruhig in den Käfig zu halten. Wenn die Tiere wild flattern, nimmt man die Hand wieder heraus und probiert das ganze später noch einmal. Mit der Zeit wird die Hand als ungefährlich angesehen. Dann kann man damit beginnen, den Wellensittichen Leckereien aus der Hand anzubieten. Ein besonders gutes Lockmittel ist Kolbenhirse.

Kontinuität und Geduld sind äußerst wichtig. Manchmal dauert es nur wenige Wochen, in Einzelfällen können auch Monate vergehen, bis die Wellensittiche das Futter von der Hand nehmen. Sobald sie alles aus der Hand fressen und diese nicht mehr als Gefahr ansehen, sollte man versuchen, die Vögel ohne Futter dazu zu bewegen, auf die Hand zu klettern.

Nicht jeder Wellensittich wird handzahm. Das ist etwas, was man unter Umständen akzeptieren muss.

Der erste Freiflug

Wellensittiche benötigen täglich Freiflug. Dabei gilt: Je kleiner der Käfig ist, umso länger sollte der Freiflug dauern. Am Anfang sollte man den Tieren jedoch die nötige Zeit geben, um sich einzugewöhnen. Ihnen am ersten Tag im neuen Zuhause Freiflug zu geben, ist keine gute Idee. Die Wellensittiche sind noch zu verstört und ängstlich und können sich nicht orientieren. Handzahm müssen sie aber auch nicht sein, um den ersten Freiflug bekommen zu können. Ein relativ guter Zeitpunkt ist etwa eine Woche nach dem Einzug. Die Tiere sollten keine allzu große Angst mehr vor ihrem Halter haben. Zuvor muss das Zimmer vogelsicher gemacht werden. Für den ersten Freiflug sollte man sich genügend Zeit nehmen, um die Wellensittiche dabei beobachten zu können.

Am Anfang öffnet man am besten einfach die Käfigtür und wartet ab, wie sich die Wellensittiche verhalten. In jedem Fall sollten sie den Käfig freiwillig verlassen und nicht aus diesem gescheucht werden. Das kann schon mal etwas dauern. Deswegen ist es auch wichtig, den ersten Freiflug dann zu planen, wenn man den ganzen Tag über Zeit hat und zuhause ist. Sollten die Wellensittiche den Käfig nicht freiwillig verlassen, ist es noch zu früh für den ersten Freiflug und man sollte das Ganze einige Tage später nochmal probieren. Irgendwann siegt bei den Vögeln die Neugier und sie wollen entdecken, was sich außerhalb ihres Käfigs befindet.

Beim ersten Freiflug sollte man auf alles vorbereitet sein. Die Wellensittiche werden ziemlich orientierungslos umherfliegen und dabei auch mal das ein oder andere Möbelstück streifen. Mit jedem Flugversuch wird es besser und die Tiere lernen, sich zu orientieren und finden ihre ganz individuellen Landeplätze. Die Rückkehr in den Käfig sollte immer freiwillig geschehen. Gut ist natürlich, wenn die Wellensittiche bereits an die Hand gewöhnt sind. Dann kann man sie ganz einfach in den Käfig zurücksetzen. Außerhalb des Käfigs sollten niemals Wasser und Futter angeboten werden.

Pflegeplan

Hat man einen oder mehrere Wellensittiche, übernimmt man automatisch die Verantwortung über deren Wohlergehen. Gerade dann, wenn man das erste Mal Wellensittiche als Haustiere hat, kann es eine Herausforderung sein, bei der Pflege alles richtig zu machen. Wir zeigen deshalb, was alles zur Wellensittich-Pflege gehört.

täglich:

  • füttern
  • kontrollieren, ob die Körner durch leere Spelzen verdeckt sind
  • kontrollieren, ob die Wellensittiche fressen und einen gesunden Eindruck machen
  • Neues Trinkwasser geben
  • frisches Badewasser bereitstellen
  • Obst- und Gemüsereste entfernen
  • Freiflug geben

alle 2-3 Tage:

  • Vogelsand erneuern
  • zusätzlich zum Körnerfutter Obst und Grünzeug anbieten

wöchentlich:

  • Käfig inklusive Bodenschale reinigen
  • gründliche Reinigung von Futter- und Trinkgefäßen sowie Sitzstangen und Spielzeug
  • Einstreu erneuern

monatlich:

  • gründliche Käfigreinigung und Desinfektion aller Gegenstände
  • Erneuerung von Ästen und Zweigen

Vogelsand

Der Vogelsand dient Wellensittichen zur Hygiene. Deswegen sollte der Boden des Käfigs in einer etwas dickeren Schicht damit ausgelegt werden. Wichtig ist, den Vogelsand regelmäßig zu erneuern. Kleinere Kotbällchen können auch mit einem Löffel entfernt werden, so dass nicht jedes Mal der komplette Sand erneuert werden muss. Wenn der Käfig nicht mit Vogelsand sondern mit einer anderen Einstreu ausgelegt wird, muss zusätzlich ein Napf mit Vogelsand angeboten werden.

Krallenpflege

Krallenpflege ist bei Wellensittichen ein wichtiges Thema. Normalerweise nutzen sich die Krallen der Tiere von selbst ab, sofern sich in ihrem Käfig Obstbaumzweige als Sitzstangen befinden. Sind die Krallen doch einmal zu lang geworden, ist es unumgänglich, diese zu schneiden. Ansonsten riskiert man, dass der Sittich irgendwann mal hängen bleibt und sich nicht mehr von selbst befreien kann. Dies kann dazu führen, dass sich das Tier den Fuß verrenkt, eine Kralle verliert oder sich den Zeh oder Fuß bricht. Wer sich das Krallenschneiden nicht selbst zutraut, kann einen Tierarzt aufsuchen. Schneidet man die Krallen selbst, sollte man unbedingt darauf achten, dass man beim Kürzen 2-3 mm von den Blutgefäßen entfernt bleibt. Auf alle Fälle sollte Blut stillende Watte oder ein weiches Stück Seife bereitgehalten werden. Geschnitten werden die Krallen, indem man den Vogel in Bauchlage hält. Dabei liegt das Köpfchen zwischen Zeige- und Mittelfinger. Mit den anderen Fingern hält man einen Fuß so, dass man die Zehen problemlos sehen kann. Nun hält man die Zehen gegen eine Lichtquelle und kann im Gegenlicht die im Nagel verlaufenden Blutadern deutlich erkennen. Mit einer scharfen Nagelschere oder Nagelzange wird der Nagel nun in Wachstumsrichtung geschnitten, wobei man 2-3 mm von den Blutadern entfernt bleibt.

Gefiederpflege/Baden

Bei seiner Gefiederpflege braucht der Wellensittich keine Hilfe. Er befreit es selbst von Staub und fettet es ein. Noch mehr Spaß macht ihm die Körperpflege, wenn er ein Badehäuschen im Käfig hat. Andere Sittiche wiederum freuen sich, wenn sie mit einer Sprühflasche benetzt werden oder sich an einem nassen Salatblatt reiben können. Die Wassertemperatur darf nicht zu warm und nicht zu kalt sein.

Schnabelpflege

Damit er seinen Schnabel pflegen kann, braucht der Wellensittich einen Schnabelwetzstein, den man im Fachhandel unter der Bezeichnung „Pickstein“ finden kann. Alternativ dazu stellt man eine Sepiaschale in den Käfig. Ideal für die Schnabelpflege sind auch frische Zweige von Obstbäumen. So kann sich der Schnabel gleichmäßig abnutzen und wird nicht zu lang.

Beschäftigung und Spielzeuge

Weil Wellensittiche von Natur aus sehr verspielt sind, brauchen sie Beschäftigung. Sogar dann, wenn man zwei Vögel in einem Käfig zusammenhält, sollte man stets für Abwechslung sorgen. Dies geht zum Beispiel mit einigen Spielzeugen.

Glöckchen: Dieses Spielzeug ist bei Wellensittichen sehr beliebt. Alles, was einen Klang hat, zieht die Vögel magisch an. Wellensittiche stoßen das Glöckchen an und sind ganz fasziniert davon, wenn es klingelt. Viele Tiere nutzen diese Spielzeug auch, um sich durch ein heftigeres Stoßen abzureagieren.

Klettergeräte: Ebenfalls sehr beliebt sind Klettergeräte. Leitern ohne Ecken und scharfkantige Teile kann man an eine Stange hängen. So kann der Wellensittich versuchen, die einzelnen Sprossen hoch- und hinunter zu laufen.

Holzkreisel: Holzkreisel sind für Wellensittiche sehr faszinierend. Man hängt sie im Käfig oder am Spielplatz der Tiere auf. Sobald diese berührt werden, drehen sie sich leicht.

Gitterball: Beim Gitterball ist in der Mitte oftmals eine kleine Schelle vorhanden. Diese gibt beim Rollen einige Töne von sich. Viele Wellensittiche spielen damit, indem sie den Ball in ihrem Schnabel halten und mit diesem durch den Käfig laufen. Manchmal kann man auch beobachten, wie die Tiere damit Fußball spielen. Wellensittiche, die ein sehr inniges Verhältnis zu den Menschen um sich herum haben, werfen den Ball auch gerne von der Tischkante und freuen sich darüber, wenn der Mensch ihn wieder holt.

Seile aus Baumwolle und Hanf: Ein Hanf- oder Baumwollseil kann vom Käfigdach herabhängen und damit dem Wellensittich die Möglichkeit geben, immer wieder neue Kletterkunststücke zu erlernen. Im Gegensatz zu Baumwollseilen sind Hanfseile etwas härter und werden von den Sittichen nicht so leicht auseinandergezwirbelt.

Wellensittiche lieben es, wenn ihr Halter sich mit ihnen beschäftigt. Dies kann in etwa das Herunterwerfen von Gegenständen sein. Ebenso beliebt ist das Rollen und Schieben von Gegenständen, bei dem auch gerne kleine Spielzeugautos zum Einsatz kommen können. Und weil Wellensittiche sehr soziale Vögel sind, freuen sie sich immer über Ansprache und Zuwendung durch den Menschen. Sie sitzen gerne auf der Hand und lauschen den Worten ihres Halters.

Wie kann man Wellensittichen das Sprechen beibringen?

Wellensittiche sind äußerst talentiert. Mit ein wenig Geschick und viel Geduld kann man ihnen das Sprechen beibringen. Allerdings ist das Talent zum Sprechen unter den Tieren unterschiedlich ausgeprägt. So lernen manche relativ schnell, andere lernen nie sprechen. Man sagt, dass Männchen eher sprechen lernen als Weibchen. Auch das Alter spielt eine wichtige Rolle. Je jünger die Tiere sind, umso leichter ist es, ihnen das Sprechen beizubringen. Ab einem Alter von neun Monaten wird es schwer, dieses Talent zu fördern.

Sprechen ist bei Wellensittichen immer ein Ausdruck dafür, dass sie sich wohl fühlen und einen guten Kontakt zu den Menschen um sich herum haben. Deshalb ist es wichtig, zunächst das Vertrauen des Tieres zu gewinnen, bevor man ihm das Sprechen beibringt. Wie bringt man aber nun seinen Wellensittichen Sprechen bei? Wichtig ist in jedem Fall, Kontinuität zu behalten, indem man seinen Tieren in wiederkehrenden Situationen immer wieder den gleichen Satz vorsagt. Dieser sollte höchstens bis zu drei Wörter beinhalten. Zum Beispiel kann man seinen Wellensittichen bei der morgendlichen Begrüßung „Guten Morgen Schatz“ zurufen. Auch beim trauten Beisammensein kann man ganz dicht an den Vogel herangehen und ihm immer wieder deutlich das gleiche Wort vorsprechen. Am besten lernen Wellensittiche kurze Wörter mit den Buchstaben e, i und u. Ist ein Tier besonders begabt, kann es innerhalb von sechs Wochen die ersten Worte lernen.

Wohin mit dem Wellensittich bei Urlaub und Krankheit?

Wellensittiche können mitunter sehr alt werden. Wer nicht auf seinen Urlaub verzichten möchte, sollte sich aber schon vorher darüber Gedanken machen, was in dieser Zeit mit seinen Wellensittichen geschehen soll. Auf keinen Fall sollte man die Tiere mit in den Urlaub nehmen. Die lange Fahrt ist eine zu große Strapaze für sie. Wenn man über eine längere Zeit verreist ist es am sinnvollsten, die Tiere in die Obhut von Verwandten, Nachbarn oder Bekannten zu geben. So haben die Tiere weiterhin den Familienanschluss und zumindest einen kleinen Ersatz, solange ihr Halter im Urlaub ist. Werden mehrere Wellensittiche in einer Voliere gehalten, sollte man die Tiere in ihrer gewohnten Umgebung belassen und dafür sorgen, dass täglich jemand nach den Tieren sieht.

Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte derjenige, der sich um die Wellensittiche kümmert, genau angewiesen werden und am besten bei Fütterung und Pflege einmal dabei sein. Sinnvoll ist auch, eine Checkliste zu verfassen. Auf dieser steht ganz genau, was und wie gefüttert werden soll und was zu den täglichen Pflegearbeiten gehört. Auf keinen Fall dürfen Urlaubsadresse und Handynummer sowie Telefonnummer eines Tierarztes fehlen.

Eine gute Alternative zu der Pflege bei Verwandten und Bekannten sind Tierpensionen. Diese findet man über lokale Zeitungen oder im Internet. Für den Pflegezeitraum gibt man die Wellensittiche inklusive Käfig dort ab.

Artgerechte Haltung von Wellensittichen
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