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Griechische Landschildkröte

Die Griechische Landschildkröte wird unter allen Schildkrötenarten am häufigsten gehalten. Dies liegt vor allem daran, dass sie pflegeleicht und wenig anspruchsvoll ist.

Verbreitung

Die Griechische Landschildkröte, lateinisch als Testudo hermanni bezeichnet, ist im europäischen Mittelraum zuhause. Finden kann man sie sowohl in Spanien als auch in Südfrankreich, Italien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina. Zu ihrem Verbreitungsgebiet gehören auch Serbien, Mazedonien, Albanien, Griechenland, Bulgarien, Rumänien und der europäische Teil der Türkei. Daneben hat sich diese Schildkrötenart auch auf vielen Inseln im Mittelmeer niedergelassen.

Griechische Landschildkröten gelten in ihren Heimatländern als bedrohte Arten. Vor allem die westliche Unterart ist davon betroffen. Allerdings stuft die IUCN den Gesamtbestand dieser Schildkrötenart als „gering gefährdet“ ein.

Aussehen

Griechische Landschildkröten werden in zwei Unterarten unterteilt: Testudo hermanni hermanni und Testudo hermanni boettgeri. Beide Arten unterscheiden sich geringfügig in ihrem Aussehen.

Testudo hermanni hermanni: Charakteristisch für diese Unterart ist der etwas höher gewölbte Rückenpanzer, der intensiver gelb gefärbt ist. Die gut abgegrenzten und symmetrischen, schwarzen Färbungselemente, die oftmals die Hälfte der Fläche einnehmen, stehen in starkem Kontrast dazu. Typisch für diese Unterart ist auch eine schwarz eingefasste Schlüssellochzeichnung, die sich auf dem Rückenpanzer oberhalb des Schwanzes finden lässt. Bei dieser Griechischen Landschildkröte hat der Bauchpanzer zwei zusammenhängende, schwarze Bänder, die sich entlang der Mittelnaht finden lassen. In der Regel besitzen die Vorderfüße an der Unterseite keine schwarze Pigmentierung, die Krallen sind oft hell gefärbt.

Testudo hermanni boettgeri: Unterschiede zur anderen Unterart gibt es zum Beispiel, was den Rückenpanzer anbelangt. Dieser ist etwas weniger hochgewölbt als bei der westlichen Unterart. Der Panzer zeigt sich in Stroh- bis Olivgelb mit schwarzen Flecken. Hier sind die Kontraste aber weniger stark als bei der westlichen Unterart. Der Bauchpanzer von Testudo hermanni boettgeri ist fast immer hornfarben und hat an beiden Seiten der Mittelnaht nur einzelne schwarze Flecken und keiner Bänder. Der Kopf dieser Schildkröten ist bräunlich bis schwarz gefärbt, während die Basis der Krallen eine dunkle Färbung hat.

Beide Unterarten haben an den Vorderbeinen meistens fünf Krallen, bei einigen sind es auch nur vier. Die hinteren Beine haben immer nur vier Krallen. Typisch ist auch der Hornnagel, den man sowohl bei Männchen als auch bei Weibchen antreffen kann. Eine Unterscheidung zur maurischen Landschildkröte ist das Fehlen von Hornkegeln zwischen Schwanz und Hinterbeinen.

Verhalten

Die Griechische Landschildkröte gilt als tagaktiv und ist für die Verdauung ihrer Ernährung auf Sonnenenergie angewiesen. Als wechselwarmes Tier ist sie nicht dazu im Stande, die nötige Körperwärme selbst zu erzeugen. Vielmehr muss sie je nach Bedürfnis von schattigen zu sonnigen Plätzen wechseln.

In freier Natur legen die Tiere im Durchschnitt jeden Tag 80 m zurück um Futter zu finden. Nicht selten kommen sie pro Tag auch auf mehr als 400 m. Dabei bewegen sie sich auf sehr großen Revieren.

Zwischen Mai und Juni ist die Hauptaktivitätsphase dieser Schildkröten. Während dieser Zeit ist die Nahrungsaufnahme gesteigert, außerdem kommt es zu Revierveränderungen und zu einem gesteigerten Sexualverhalten. Dahingegen sind die Schildkröten in der kalten Jahreszeit inaktiv und verbringen diese in ihrem natürlichen Lebensraum in frostfreien Höhlen. Manchmal graben sie sich auch für den Winterschlaf an einer geschützten Stelle in die Erde.

Haltung

Die Griechische Landschildkröte braucht eine Freilandhaltung – entweder in einem Gehege mit Beet, in einem Gewächshaus oder im Garten. Wichtig ist, für so wenig Stress wie möglich zu sorgen, da die Tiere sehr stark auf Stress reagieren. Auf keinen Fall dürfen die Schildkröten ganzjährig in einem Terrarium gehalten werden. Dies ist nur für den Übergang tolerabel. Dann muss das Terrarium aber auch artgerecht eingerichtet werden – am besten mit Kokosfasersubstrat, das mit Gartenerde vermischt wird. Gedacht werden muss auch an eine entsprechende Beleuchtung, die helles Licht, Wärme und UVB-Licht spendet.

Auch im Freigehege ist Technik unverzichtbar. Dazu gehören eine Wärmelampe, die lokale Wärme von 40° bietet, eine Heizung zum Schutz vor Frost, eine Zeitschaltuhr für die Lampe, ein Thermo-Timer, der die Temperatur regelt, sowie eine artgerechte Einrichtung. Zur natürlichen Krallenabnutzung ideal sind Steine, Kies und Ähnliches zum Klettern. Zudem kann das Frühbeet mit Kork als Höhlen und Sphagnum-Moos zum Verstecken eingerichtet werden. Zum Einbuddeln eignet sich lockere Erde. Außerdem sollte das Gehege mit mediterranen Pflanzen zum Verstecken und mit Wildkräutern zum Fressen ausgestattet sein.

Während Testudo hermanni boettgeri 4-5 Monate überwintert, reichen Testudo hermanni hermanni 2-3 Monate aus. Für die Überwintertrung sind Temperaturen von 4-6 °C ideal. Die Tiere graben sich in etwas feuchte Gartenerde ein. Um die Feuchtigkeit dort zu speichern, sollte eine Schicht Buchenlaub oder Sphagnum-Moos darauf gelegt werden. Eine Alternative dazu: Den neuen Mitbewohner in einem separaten Kühlschrank überwintern lassen. Dies hat den Vorteil, dass die Temperatur selbst bestimmt und die Tiere leicht kontrolliert werden können. Nicht in Winterruhe geschickt werden dürfen kranke Tiere.

Wie alle Landschildkröten, fühlt sich auch die Griechische Landschildkröte am wohlsten, wenn sie in einer kleinen Gruppe mit mehreren Artgenossen leben kann.

Eigentlich können diese Schildkröten unter günstigen Umständen mehr als 100 Jahre alt werden. Untersuchungen zeigen aber, dass viele dieses Alter nicht erreichen, sondern im Schnitt nach etwa zwölf Jahren sterben.

Ernährung

Griechische Landschildkröten sind Vegetarier und sollten dementsprechend nur pflanzliche Nahrung bekommen. Besonders empfehlenswert sind Wildkräuter, da diese wertvolle Vitamine sowie einen hohen Rohfasergehalt haben. Je nach Art haben sie auch ein gutes Calcium-Phosphor-Verhältnis. Angeboten werden dürfen Löwenzahn, Spitzwegerich, Brennnessel, Gänseblümchen, Giersch, Klee und andere Wildkräuter. Diese sollten nach Möglichkeit direkt im Freigehege wachsen. So können die Schildkröten sich selbst aussuchen, was sie fressen möchten.

Von einer Zufütterung in Form von Obst, Gemüse, Salat und Pellets ist abzusehen, da damit viel Schaden angerichtet werden kann. Lediglich während der Übergangsphase, in der es keine Wildkräuter gibt, können Romana, Endivie, kleine Mengen Feldsalat und kleine Mengen geraspelte Karotte angeboten werden. Übrigens dürfen Wildkräuter auch in getrockneter Form gefressen werden. Als Kalziumquelle immer vorhanden sein sollte eine Sepiaschale. Daneben sollte der neue Mitbewohner auch stets Zugang zu frischem Wasser haben.

Fortpflanzung und Zucht

Wie es auch bei anderen Schildkrötenarten üblich ist, wird das Geschlecht der Jungtiere nicht etwa durch Geschlechtschromosomen bei der Befruchtung festgelegt, sondern erst im Laufe der Embryonalentwicklung. Über die Bruttemperatur kann beeinflusst werden, ob mehr Männchen oder Weibchen schlüpfen.

Beobachtet man diese Schildkröten bei der Paarung, hat man den Eindruck, dass diese sehr grob wirkt: Das Weibchen wird vom Männchen verfolgt und unablässig umkreist. Durch ein kräftiges Beißen in die Beine wird es am Davonlaufen gehindert. Wenn das Weibchen in den Kopf gebissen wird, zieht es diesen ein, so dass die Kloake leicht hervortritt. Das Männchen kann nun aufreiten. Der Geschlechtsakt wird durch piepsende Laute des Männchens, die stimulierend auf seine Geschlechtspartnerin wirken, begleitet.

Zwei- bis dreimal im Jahr legen die Weibchen 3-6 Eier pro Gelege. Nach einer durchschnittlichen Brutdauer von 90 Tagen schlüpfen die kleinen Schildkröten von Ende August bis Ende September.

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