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Artgerechte Haltung von Ratten

Wer sich für Ratten als Haustiere entschieden hat, sollte sich vor der Anschaffung intensiv damit auseinandersetzen, was eine artgerechte Haltung bedeutet. Dies erleichtert einem nicht nur den Alltag mit seinen kleinen Lieblingen; man wird auch feststellen, dass es viel mehr Spaß macht, Ratten zu beobachten, die sich in ihrem neuen Zuhause sichtlich wohl fühlen.

In diesem Ratgeber gehen wir detailliert auf die artgerechte Haltung von Ratten ein. Wir zeigen zum Beispiel, ob Ratten einzeln, paarweise oder in der Gruppe gehalten werden, gehen darauf ein, welche Einstreu für Ratten geeignet ist und wie und wie oft die Käfigreinigung durchgeführt werden sollte. Zudem widmen wir uns dem Thema Auslauf und geben Tipps, was zu tun ist, wenn man in Urlaub fahren möchte.

Werden Ratten einzeln, paarweise oder in der Gruppe gehalten?

Die wichtigste Frage im Zusammenhang mit der Anschaffung von Ratten ist, ob diese solitär lebende Tiere sind, paarweise oder in einer Gruppe gehalten werden sollten. Leider machen viele den Fehler, ihre Ratte alleine zu halten. Dies entspricht jedoch nicht den natürlichen Trieben der Tiere. In freier Wildbahn leben sie nämlich im großen Gruppen. In der Heimtierhaltung sollte deshalb darauf geachtet werden, dass Ratten immer Artgenossen haben, mit denen sie kuscheln, auf einem Haufen schlafen, sich gegenseitig putzen, im Ultraschallbereich kommunizieren und spielen können. Dies verschafft den Tieren Sicherheit und man wird relativ schnell merken, dass sie sichtlich aufblühen. Ratten, die alleine und damit nicht artgerecht gehalten werden, werden nur in den seltensten Fällen zahm. Die Einzelhaltung sollte man nur dann in Erwägung ziehen, wenn eine Ratte krank ist oder aber dann, wenn eine Ratte frisch kastriert wurde.

Man sollte Ratten in jedem Fall mindestens paarweise, besser noch in einer Gruppe, halten. Nun stellt sich die Frage, welche Kombination geeignet ist. Es gibt die Möglichkeit, reine Bockgruppen als auch reine Weibchengruppen oder gemischte Gruppen zu halten. Gemischte Gruppen darf man aber nur dann halten, wenn alle Böcke kastriert sind. Denn Rattenweibchen werden alle 4-5 Tage hitzig und können bei einer Trächtigkeitsdauer von nur 21 Tagen jeden Monat durchschnittlich 14 Junge werfen.

Ratten miteinander vergesellschaften

Wer bisher eine Ratte in Einzelhaltung hatte oder eine neue Ratte in ein bestehendes Rudel eingewöhnen möchte, sollte einige Regeln der Vergesellschaftung beachten. Auf keinen Fall dürfen fremde Ratten einfach in den Käfig der bereits vorhandenen Ratten gesetzt werden. Dies würde blutige Kämpfe mit sich ziehen, denn Ratten verteidigen ihr Revier gegen Eindringlinge sehr energisch. Besser ist es, die Tiere langsam aneinander zu gewöhnen.

Dies funktioniert zum Beispiel, indem man die neuen Ratten nach der Quarantäne mit ihrem Käfig in das Zimmer stellt, in welchem sich bereits die vorhandenen Ratten befinden. Wichtig ist, dass die Käfige so weit auseinander stehen, dass sich die Tiere am Gitter nicht begegnen. Nun gibt man etwas Einstreu und Nistmaterial der alteingesessenen Ratten in den Käfig der neuen Tiere, so dass diese den Geruch annehmen können. Für die bereits vorhandenen Ratten riechen die neuen dann angenehmer und sie werden diese weniger als Eindringlinge ansehen.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Ratten in zwei Käfige nebeneinander zu stellen. Dabei sollte zwischen den Gittern ein Sicherheitsabstand von 3-4 cm vorhanden sein. Die Tiere haben nun die Möglichkeit, sich zu beschnuppern, ohne sich durch das Gitter zu beißen oder zu kratzen. Mit der Zeit gewöhnen sich die Ratten aneinander und lernen den Geruch der neuen Tiere kennen.

Die dritte Variante besteht darin, den Tieren gemeinsam Auslauf zu geben – am besten in einem abgegrenzten Bereich, wo sie sich auf neutralem Boden begegnen können. Geeignet sind in etwa ein Klappgehege im Flur, im Badezimmer oder auf der Couch. Dort sollte ein Unterschlupf mit mehreren Eingängen vorhanden sein. Am Anfang wird dieser vielleicht eher dazu dienen, dass die Ratten voreinander flüchten können. Wenn sie sich aneinander gewöhnt haben, wird ein solcher Karton jedoch schon bald ein gemeinsames Versteck werden. Damit die Ratten am Anfang ein wenig Ablenkung haben, sollte Futter im Auslauf verstreut werden.

Bei einer Vergesellschaftung sollte man immer mindestens zu zweit sein, um schnell eingreifen und die Tiere auch voneinander ablenken zu können. Außerdem sollte genügend Zeit – am besten ein komplettes Wochenende – für die Vergesellschaftung eingeplant werden. Dass die Ratten am Anfang hintereinander herlaufen, sich am Fell ziehen, sich voreinander aufbauen und sich gegenseitig auf den Rücken schmeißen, ist vollkommen normal. Dann, wenn ein Tier unterworfen wurde und auf dem Rücken liegen bleibt, ist die Rangordnung erstmal geklärt und es herrscht Frieden unter den Ratten.

Einschreiten sollte man nur dann, wenn sich die Ratten ernsthafte Wunden zufügen, Blut fließt und sie gar nicht aufhören, sich zu jagen. Dann muss der Versuch der Vergesellschaftung beendet und zu einem späteren Zeitpunkt erneut aufgenommen werden. Zur Trennung der Tiere ist ein Handfeger ebenso geeignet wie eine dicke Pappe. Mit den bloßen Händen sollte man aufgrund der Verletzungsgefahr nicht dazwischen gehen. Man kann auch eine Blumenspritze mit lauwarmem Wasser füllen und die Tiere etwas nass machen oder ein Handtuch auf diese werfen.

Die richtige Einstreu

Der Rattenkäfig wird nur im untersten Bereich mit Einstreu versehen. Vielen stellt sich nun die Frage, welche Einstreuart am besten geeignet ist. Denn im Fachhandel gibt es mehrere Varianten. Dazu zählen Hanfstreu, Maisstreu, Leinstreu und feines Buchenholzgranulat. Zwar kann man auch die normale Kleintierstreu verwenden. Allerdings wird diese von Ratten nur sehr schlecht vertragen, da sie stark staubt. Besteht sie aus Nadelhölzern, reizen deren ätherische Öle die Atemwege der Tiere. Wer seinen Tieren eine artgerechte Umgebung bieten möchte, jedoch nicht das Geld hat, um teure Einstreu zu kaufen, kann den Käfig auch mit Papierschnippseln ausstatten. Die Etagen legt man am besten mit Zeitungspapier, Küchentüchern oder Pappe aus. Zum Nestbau sollten zudem und Küchentücher, Taschentücher, unbedrucktes Papier oder Toilettenpapier verteilt werden.

Katzenstreu darf auf keinen Fall im Rattenkäfig landen. Ratten könnten diese fressen und daran sterben. Abstand gehalten werden muss auch von harten Pellets und anderen Granulaten.

Käfigreinigung – Wie und wie oft?

Damit sich die Ratten in ihrer Umgebung wohl fühlen, ist eine regelmäßige Käfigreinigung Pflicht. Das komplette Gehege muss mindestens einmal pro Woche gereinigt werden. Stellen, die mit Kot versehen sind, und Pipiecken sollten alle 2-3 Tage erneuert werden. Zur Vorbereitung setzt man die Ratten in ihre Transportbox oder gibt ihnen Auslauf. Nun entfernt man die komplette Einstreu aus dem Gehege und wischt alle Etagen mit heißem Wasser ab. Starke Verschmutzungen können mit etwas Seife oder Spielmittel gereinigt werden. Urinflecken entfernt man mit Essigwasser oder Zitronensäure. Um unangenehme Gerüche zu vertreiben, empfiehlt sich in Wasser aufgelöstes Natron. Die einzelnen Einrichtungsgegenstände kann man der Einfachheit halber in der Dusche heiß abbrausen. Mindestens einmal im Monat muss auch daran gedacht werden, die Gitter und Wände des Geheges abzuwaschen. Danach wird der Käfig mit neuer Einstreu versehen und alle Einrichtungsgegenstände sollten wieder ihren Platz finden. Die Ratten dürfen ihr Domizil aber erst dann wieder beziehen, wenn sich der Staub der Einstreu gelegt hat.

Regelmäßiger Auslauf

Regelmäßiger Auslauf ist für Ratten wichtig. So können sie eine neue Umgebung erkunden und bleiben gleichzeitig in Bewegung. Der richtige Zeitpunkt für den ersten Auslauf ist dann gekommen, wenn sich die Tiere problemlos hochheben lassen. Scheue Tiere sollten zunächst lernen, zahm zu werden. Alternativ dazu gibt man nicht zahmen Ratten im Bad oder Flur Auslauf. Dort haben sie keine Möglichkeit, sich zu verstecken. Einen Auslauf kann man ganz leicht selbst aus im Baumarkt erhältlichen Hartfaserplatten bauen. Diese werden mit Gewebeklebeband locker zusammengeklebt und können nach dem Auslauf zusammengeklappt und Platz sparend verstaut werden.

Beim Auslauf sollte es den Ratten an Abwechslung nicht mangeln. Einrichtungs- und Bastelideen versüßen den Nagetieren jeden Auslauf. Sehr begehrt sind in etwa alte Pappkartons zum Durchlaufen und Reinklettern. Diese kann man mit zerknüllten Zeitungen oder Küchenpapier zum Herumwühlen füllen. Mit ein wenig Geschick baut man aus mehreren Pappkartons Labyrinthe und versteckt darin Futter. Auch mit einer Buddelkiste kann man seinen kleinen Lieblingen viel Freude machen. Hierfür füllt man eine Wäschewanne mit Erde, Sand oder einem Erde-/Sandgemisch. Verwendet werden dürfen nur Vogelsand, Chinchillasand, feiner Bausand, Sandkastensand und Kinderspielsand.

Beim Auslauf müssen alle Strom- und Telefonkabel gesichert werden. Denn ein Stromschlag kann für eine Ratte nicht nur unangenehm, sondern sogar tödlich sein. Entfernt werden sollten auch giftige Zimmerpflanzen, bei Steckdosen sollte eine Kindersicherung eingesteckt werden und es sollte darauf geachtet werden, dass während des Auslaufs keine Türen geöffnet werden.

Idealerweise können die Ratten selbst bestimmen, wann sie genug haben und wieder in ihren Käfig klettern möchten. Dies sorgt gleichzeitig dafür, dass die Tiere an Sicherheit gewinnen und leichter zutraulich werden.

Was tun wenn man in Urlaub fährt?

Normalerweise stellt es kein Problem dar, seine Ratten über zwei Tage alleine zu lassen, um in Urlaub zu fahren. Nach Möglichkeit sollte dies aber nicht in der Anfangszeit sein, wenn die Ratten noch damit beschäftigt sind, sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen. Vor der Abreise sollte man genügend Trinkwasser, Trockenfutter und Frischfutter zur Verfügung stellen. Neben der normalen Menge Trockenfutter bietet es sich an, für die Urlaubszeit noch eine Knabberstange in den Käfig zu hängen. Weil Frischfutter schnell schimmelt, sollte man seinen Tieren nur so viel geben, wie diese bis zum nächsten Tag fressen können.

Ansonsten ist es immer besser, sich um eine Betreuung der Tiere zu bemühen, wenn man diese für einige Tage alleine lassen möchte.

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