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Die Zucht von Degus

Degus sind sehr niedliche Tiere. vor allem in der noch kleineren Variante kann man nicht umhin, sie süß zu finden. Das verleitet viele dazu, Degus zu züchten – ohne sich vorher Gedanken darüber zu machen, welche enorme Verantwortung damit einhergeht. Doch die Entscheidung, Degus zu züchten, sollte niemals leichtfertig gefällt werden.

Wir geben in diesem Ratgeber wichtige Ratschläge zur Degu-Zucht und zeigen unter anderem, welche Zuchtkriterien eingehalten werden müssen und wann man Degus lieber nicht züchten sollte. Darüber hinaus geben wir einen detaillierten Einblick in Paarung, Schwangerschaft, Geburt und Aufzucht der kleinen Nager.

Fragen vor der Zucht

Degus zu züchten, nur weil man mal kleine Degubabys sehen möchte, ist die falsche Entscheidung. Man sollte sich in jedem Fall darüber bewusst sein, dass eine Zucht eine große Verantwortung mit sich bringt. Deswegen sollte man sich vorher intensiv damit auseinandersetzen, was es bedeutet, Degus zu züchten. Dazu gehört nämlich weitaus mehr, als einfach nur zwei Tiere zusammen zu setzen und diese miteinander zu verpaaren.

Folgende Fragen sollte man sich im Zusammenhang mit einer möglichen Degu-Zucht unbedingt stellen:

  • Verfüge ich über genügend Platz, um die Elterntiere als auch den Nachwuchs artgerecht unterbringen zu können?
  • Habe ich genügend Geld, um hochwertiges Futter und eventuelle Tierartbesuche bezahlen zu können?
  • Kenne ich die Zuchtkriterien und die grundlegenden Regeln für die Zucht?
  • Kann ich alle Nachzuchten behalten, die nicht vermittelt werden?
  • Habe ich bereits vor der Verpaarung mindestens fünf feste Abnehmer, bei denen es den Tieren gut gehen wird?

Wann sollte man Degus nicht züchten?

So gerne man es auch möchte, nicht immer ist eine Deguzucht möglich. Unter folgenden Voraussetzungen sollte man sich gegen eine Zucht der possierlichen Tiere entscheiden:

Wenn…

  • man einfach nur einen Wurf haben möchte, weil Degu-Babys so niedlich aussehen
  • nicht genügend Geld vorhanden ist, um alle anfallenden Kosten tragen zu können
  • man nicht den notwendigen Platz hat, um zusätzlich artgerechte Käfige aufstellen zu können
  • die eigenen Tiere aus dem Zooladen stammen oder von unbekannter Herkunft sind
  • man nicht die Möglichkeit hat, Nachwuchs, der nicht vermittelt werden kann, zu behalten
  • man sich nicht die Mühe machen möchte, gute von schlechten Abnehmern zu unterscheiden und den Nachwuchs ausschließlich in liebevolle Hände zu geben
  • man mit der Zucht Geld verdienen möchte, indem man die Babys an Zoofachgeschäfte verkauft

Wichtige Zuchtkriterien

Bei der Degu-Zucht müssen einige Kriterien eingehalten werden. Ohne diese ist eine erfolgreiche und artgerechte Zucht von Degus nicht möglich. Schließlich möchte man ja nicht um des Züchtens willen züchten, sondern sollte auch ein Auge darauf haben, dass es den Tieren gut geht und mögliche Komplikationen so weit wie möglich ausgeschlossen werden können.

Wichtig ist zum Beispiel, dass jeder Zuchtkäfig eine Mindestgrundfläche von 0,5 m2 für zwei Tiere hat. Bei größeren Gruppen muss entsprechend mehr Platz zur Verfügung stehen. Darüber hinaus muss in den Zuchtkäfigen immer frisches Wasser vorhanden sein und auch an Heu und ausreichend artgerechtem Futter darf es nicht fehlen.

Was die Auswahl der Zuchttiere anbelangt, so muss auch diesem Thema genügend Aufmerksamkeit gewidmet werden. Auf Folgendes muss dabei geachtet werden:

  • die Degus müssen gesund sein, dürfen weder Missbildungen aufweisen noch krank sein
  • man sollte die Eltern und Großeltern der Tiere kennen – diese sollten ebenfalls gesund sein

  • die Degus sollten Interesse an ihrer Umgebung zeigen und aktiv sein
  • auf keinen Fall darf das kleinste und schwächste Tier für die Zucht ausgewählt werden
  • am besten ist, wenn die Zuchttiere in großen Gruppen aufgewachsen sind und ein gutes Sozialverhalten haben
  • gegenüber dem Menschen sollten die Degus kein aggressives Verhalten zeigen
  • das Fell der Auswahltiere sollte glatt und gesund sowie frei von kahlen Stellen sein
  • weibliche Degus müssen mindestens 5-6 Monate und bei ihrem ersten Wurf höchstens 1,5 Jahre alt sein
  • pro Jahr sollte ein Weibchen maximal zwei Würfe bekommen
  • Inzucht – also die Verpaarung von Eltern, Geschwistern und Halbgeschwistern – muss vermieden werden

Wissenswertes zur Zucht

Wenn alle Bedingungen und Kriterien erfüllt sind, kann die eigentliche Zucht beginnen. Wir gehen hier detailliert auf die Fortpflanzung, Paarung, Schwangerschaft, Geburt und die Entwicklung des Nachwuchs ein.

Fortpflanzung

Zwar werden Weibchen bereits mit 8 Wochen geschlechtsreif und Männchen mir drei Monaten, doch an eine Paarung sollte erst im Alter von etwa sechs Monaten gedacht werden. Wer unerwünschten Nachwuchs vermeiden möchte, sollte darauf achten, die Degus nach Geschlecht zu trennen.

Paarung

Für eine erfolgreiche Zucht ist die Auswahl geeigneter Tiere sehr wichtig. Diese müssen gesund sein und ihr Stammbaum muss über mindestens zwei Generation zurückverfolgt werden können. Nicht selten nimmt die Auswahl der beiden Tiere viel Zeit in Anspruch, diese sollte man sich aber unbedingt nehmen. Ganz wichtig ist, dass das Weibchen mindestens sechs Monate alt ist; bei zu kleinen Degus können bei der Geburt tödliche Komplikationen auftreten. Beim männlichen Degu spielt das Alter keine entscheidende rolle. Ebenso ist darauf zu achten, dass das Weibchen ab einem Alter von 2,5 Jahren nicht mehr werfen sollte.

Grundvoraussetzung für die Zucht ist die Paarung. Hierfür werden ein oder mehrere Weibchen mit einem Bock vergesellschaftet. Vor der Geburt des Wurfs sollte der Bock vom Weibchen getrennt werden, da Degus direkt nach der Geburt wieder empfängnisbereit sind. Außerdem sollte der Vater auch nicht mit dem Nachwuchs zusammengehalten werden, weil sonst die Gefahr besteht, dass der Vater diese deckt.

Paarungsbereit sind Weibchen etwa alle zwei bis drei Wochen. Bis zur Paarungsbereitschaft bzw. Geburt ist die Scheide der weiblichen Degus ebenso wie bei Chinchillas geschlossen. Bei der eigentlichen Paarung reitet das Männchen mit einem Trillern und Beknabbern immer wieder auf das Weibchen auf. Die Erregung kann man auch an dem Schlängeln des Schwanzes erkennen. Nach der Deckung lecken sich die Degus ihre Genitalien sauber.

Schwangerschaft

Die Tragezeit ist bei Degus recht lange und beträgt 85 bis 95 Tage. Dass ein Degu schwanger ist, erkennt man meistens erst im letzten Drittel der Schwangerschaft; dann wird der Bauch dicker und birnenförmig. In den letzten drei Wochen der Schwangerschaft zeigen sich kleine Knubbel am Bauch, die sich bewegen. Das sind die kleinen Köpfchen der Babys.

Während der Schwangerschaft muss man vorsichtig mit der werdenden Mutter umgehen; sie sollte immer vorsichtig hochgehoben werden und auch nur dann, wenn es unbedingt notwendig ist. Umzüge und Vergesellschaftungen sollten während der Schwangerschaft nicht stattfinden, da beides zu enormem Stress bei der werdenden Mutter führt.

Jetzt muss an Vitamine und Kalzium gedacht werden, denn während der Schwangerschaft ist der Bedarf beim Weibchen erhöht. Abhilfe schaffen kann man mit Vitaminpräparaten, wie in etwa Vitacombex, die dem Trinkwasser zugeführt werden. Auch eine abwechslungsreiche Ernährung ist jetzt von enormer Wichtigkeit. Sehr gut ist in etwa Kolbenhirse, weil sie viele Nährstoffe und Mineralien enthält.

Daran, dass sich das Verhalten der werdenden Mutter ändern kann, sollte man sich am besten gleich gewöhnen. Mit dem Stress in der Schwangerschaft geht jedes Tier anders um. Während die einen nervöser werden, bauen andere fleißig ein Nest oder distanzieren sich von der Gruppe.

Geburt

Weil die Geburt meistens in der Nacht stattfindet, bekommt man als Halter bzw. Züchter nicht wirklich viel davon mit. Je Wurf kann das Weibchen 1 bis 10 Welpen bekommen, im Schnitt sind es 4 bis 5. Zwar kann man selbst nicht viel tun, um das Weibchen bei der Geburt zu unterstützen, man kann aber für Ruhe im Zimmer sorgen.

Entwicklung des Nachwuchs

Bei der Geburt wiegen die Degu-Babys etwa 10-20 g, haben geöffnete Augen und Ohren sowie Fell. Für volle vier Wochen werden sie von ihrer Mutter gesäugt, nehmen jedoch kurz nach der Geburt schon feste Nahrung auf.

Wenn sie acht Tage alt sind, knabbern sie bereits am Heu und lernen von ihrer Mutter, was man essen kann und was nicht. Nach vier bis sechs Tagen verlassen sie ihr Nest und wuseln durch das Gehege. Für sie ist alles spannend und neugierig möchten sie alles austesten. Dabei verhalten sie sich nicht selten leichtsinnig, weswegen Hängematten als Auffangschutz helfen sollen, damit sie sich beim Fallen oder Springen von Etagen nicht verletzten. Außerdem sollte auch an Heu als Polsterung gedacht werden.

Normalerweise stellt es kein Problem dar, wenn der Nachwuchs in einer Gruppe aufwächst – vorausgesetzt, es befinden sich keine unkastrierten Männchen im Käfig. Die ganze Gruppe kümmert sich rührend um den Nachwuchs.

Wann können die Tiere abgegeben werden?

Ab der 5. Woche ist es möglich, die Jungtiere abzugeben. Besser ist es aber, wenn man sie bis zur 7. Woche bei ihrer Mutter lässt. Dann müssen die Tiere jedoch nach Geschlecht getrennt werden, weil die Männchen geschlechtsreif werden. Dennoch sollten die männlichen Degus weiterhin Kontakt zu einem Erwachsenen, wie in etwa ihrem Vater, haben. Werden die Degus zu früh von ihren Eltern getrennt, können sie Verhaltensstörungen entwickeln und sozial unverträglich werden. Für ihre Sozialisierung ist es wichtig, mit einem Erwachsenen zusammen zu sein, um von diesem das degu-typische Verhalten zu lernen.

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