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Artgerechte Degu-Haltung

Wer viel Freude an seinen Tieren haben möchte, sollte auf eine artgerechte Degu-Haltung setzen. Dies ist jedoch nicht immer so einfach zu bewerkstelligen. Schließlich müssen grundlegende Dinge geklärt werden. Dazu gehört zum Beispiel, ob man Degus einzeln, paarweise oder in der Gruppe hält. Auch die Frage danach, wie der Käfig richtig gereinigt wird und welche Pflegemaßnahmen erforderlich sind, gehört zum Thema artgerechte Haltung. Daneben gehen wir auch darauf ein, wie man seinen Degus mit Spielzeug Abwechslung verschaffen kann und ob die kleinen Nager Auslauf brauchen.

Werden Degus einzeln, paarweise oder in der Gruppe gehalten?

Eine Frage, die bei der Degu-Haltung ganz am Anfang stehen sollte: Werden Degus einzeln, paarweise oder in der Gruppe gehalten? In jedem Fall sollten Degus immer mindestens zu zweit gehalten werden. Hält man sie einzeln, sorgt dies bei den Tieren für ein seelisches Ungleichgewicht und nicht selten vereinsamen sie und sterben infolgedessen früher. Viele, die ihren Degu bislang einzeln gehalten haben, beteuern, ihr kleiner Liebling mache einen glücklichen und zufriedenen Eindruck. Tatsächlich jedoch sind Degus Rudeltiere – in freier Wildbahn leben sie in großen Familienverbänden, welche miteinander eine riesige Kolonie bilden, zusammen. Deswegen ist die Haltung von mindestens drei Degus erforderlich – kommt sie dem Leben in freier Wildbahn doch am nächsten. Ein großer Vorteil im Gegensatz zur paarweisen Haltung ist, dass das Tier nicht alleine bleibt, wenn der Partner plötzlich stirbt. Ganz davon zu schweigen, dass es sehr interessant ist, das Sozialverhalten der Tiere untereinander zu beobachten. Sie schmusen miteinander, putzen sich gegenseitig und spielen miteinander.

Durch eine Einzelhaltung können Degus gesundheitliche Probleme bekommen. Denn ihr Immunsystem ist zu einem Großteil von ihrer seelischen Verfassung abhängig. Tiere, die sehr aktiv sind, sich mit ihren Artgenossen unterhalten und auch mal um das Futter streiten, verfügen über ein aktiveres Immunsystem als Degus, die den ganzen Tag darauf warten, dass sich jemand mit ihnen beschäftigt. Wirkliche Verhaltensauffälligkeiten und Verhaltensstörungen im Sozialbereich werden dann sichtbar, wenn man versucht, den betreffenden Degu zu vergesellschaften. Hat ein Degu relativ lange Zeit alleine gelebt, weiß er nicht mehr, wie er mit anderem Degus umgehen soll. Dies zeigt sich, indem sie versuchen, die Reviereindringlinge zu vertreiben. Es fällt ihnen schwer, zu erkennen, dass Ihnen ein Artgenosse gut tut und für einen entspannten Alltag sorgt.

Wie stellt man Gruppen am besten zusammen?

Möglichst vor der Anschaffung der Degus sollte man sich Gedanken darüber machen, wie man die Gruppe am besten zusammenstellt. So spielt vor allem das Geschlecht, aber auch der Charakter, eine entscheidende Rolle. Außerdem sollte auf genügend Platz im Gehege geachtet werden, damit sich die Tiere auch immer mal wieder aus dem Weg gehen können.

Wenn man 2-3 Weibchen mit einem Bock vergesellschaftet, sollte dieser unbedingt kastriert werden. Ansonsten kann es durchaus passieren, dass alle Weibchen schwanger werden. Im übrigen gilt diese Gruppenzusammenstellung als die unkomplizierteste. Das Zusammenleben der Degus verläuft in den meisten Fällen unkompliziert und harmonisch.

Auch gleichgeschlechtliche Gruppen sind bei Degus möglich. Um die Chancen auf ein harmonisches Zusammenleben zu erhöhen, sollten sich die Tiere von Anfang an kennen. Das Beste ist, wenn es Geschwister sind, die aus einem Wurf stammen. Die ideale Gruppengröße liegt hier bei 3-5 Tieren.

Degus können auch als Paar zusammengehalten werden. Normalerweise harmoniert diese Kombination recht gut, wobei es jedoch immer mal wieder Streitigkeiten geben kann – ebenso wie beim Menschen. Allerdings sollte man sich dann, wenn man den Bock nicht kastrieren lässt, darauf einstellen, schon bald Nachwuchs zu bekommen. Weil ständig aufeinander folgende Schwangerschaften sehr auf die Gesundheit und Lebenserwartung des Weibchens gehen, sollte über den Schritt der Kastration gründlich nachgedacht werden.

Rangordnungskämpfe

Rangordnungskämpfe sind bei Degus etwas vollkommen normales. Man sollte sich gleich daran gewöhnen, dass die Rangordnung immer mal wieder von den Tieren in Frage gestellt und dann neu geklärt werden muss. Vor allem dann, wenn zwei Degus in etwa gleich stark sind, werden sie des Öfteren probieren, das Gleichgewicht umzudrehen. Über einen längeren Zeitraum Stabilität gibt es in einer Gruppe nur dann, wenn zwei Degus unterschiedlich stark sind und sich der eine dem anderen unterwirft.

Ihre Rangordnung klären Degus auf spielerische Art und Weise, indem sie balgen, zanken und sich im Spiel streiten. Bleibt es bei kleineren Streitereien, die harmlos sind, sollte man nicht eingreifen. Gefragt ist man aber dann, wenn es zu blutenden Wunden und kleineren Verletzungen kommt. Oder dann, wenn ein unterlegener Degu ständig attackiert wird. Dann sollte man versuchen, die beiden Streitenden kurzzeitig voneinander abzulenken, indem man dem einen Tier zum Beispiel Auslauf gibt. Sofern man beabsichtigt, die Degus tageweise voneinander zu trennen, kann es durchaus vorkommen, dass diese sich komplett entfremden und neu vergesellschaftet werden müssen. Dieser Schritt sollte unbedingt vermieden werden.

Haltung mit anderen Tieren

Die Frage danach, ob man Degus auch mit anderen Tieren im Käfig halten kann, ist relativ schnell beantwortet: Nein! Dafür können sie sich aber beim Auslauf mit anderen Kleintieren verstehen. Unbeaufsichtigt bleiben sollten sie aber niemals. Hunde und Katzen verstehen sich normalerweise nicht gut mit Degus. Dies liegt daran, dass das rattenähnliche Aussehen bei Hunden und Katzen schnell den Jagdinstinkt weckt. Wer noch andere Tiere hat, die er im Käfig hält, kann diese ruhig in den gleichen Raum wie die Degus stellen. Voraussetzung ist aber, dass sich die Geräuschkulisse sowie die aktiven Phasen nicht allzu sehr voneinander unterscheiden. Wichtig ist außerdem, dass die Käfige so weit auseinander stehen, dass eine klare Revierverteilung erfolgt.

Käfigreinigung

Wie oft der Käfig der Degus gereinigt werden sollte, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum Beispiel spielt die Käfiggröße, aber auch die Anzahl der im Gehege lebenden Degus eine Rolle. Normalerweise reicht eine Käfigreinigung alle ein bis zwei Wochen. Im Gegensatz zu anderen Nagetieren riechen Degus nur sehr wenig. Das heißt aber nicht, dass der Käfig erst dann gereinigt werden sollte, wenn es schlecht riecht. Denn im Kot, Urin und in Futterresten können sich bereits früher Herde für Bakterien bilden.

Vor der Käfigreinigung sollten die Degus entweder in einen anderen Käfig oder in eine Transportbox gesetzt werden. Alternativ dazu können sie auch Auslauf bekommen. Nachdem man alle Einrichtungsgegenstände herausgenommen und die Einstreu entfernt hat, wird der Käfig mit einem Putzschwamm und warmem Wasser gereinigt. Das gleiche gilt für die Einrichtungsgegenstände. Hartnäckige Beläge kann man mit Essig wegbekommen. Scharfe Reinigungsmittel sollten nicht verwendet werden. Wenn die Degus wieder in ihren Käfig kommen, sollte man sie für einige Zeit in Ruhe lassen. Denn jede Käfigreinigung ist für sie ein kleines Erlebnis und danach müssen sie erstmal ihr Heim in aller Ruhe inspizieren.

Wichtige Pflegemaßnahmen

Zu den Pflegemaßnahmen, die täglich erfolgen sollten, gehören, frisches Futter zu geben, die Trinkschale kurz auswaschen und mit neuem Wasser zu befüllen. Grünfutter, das übrig bleibt, wird von Degus gerne vergraben. Damit es zu keiner Schimmelbildung kommt, muss dieses unverzüglich entfernt werden. Ebenfalls täglich frisch gegeben werden muss Heu. Außerdem muss auch auf Fellpflege und Zahnpflege geachtet werden.

Fellpflege

Sowohl zum Stressabbau als auch zur Fellpflege nehmen Degus gerne ein Sandbad. Allerdings gehen sie dabei mit ihrer Sandschale nicht gerade vorsichtig um. Damit der ganze Sand nicht im Käfig landet, sollte die Badeschale am besten auf das Schlafhaus oder eine Etage gestellt werden. Gerne verrichteten Degus auch ihre Notdurft in der Sandschale. Dann sollte der Sand vorsichtig gesiebt werden.

Degus putzen sich zwar auch regelmäßig, doch nur durch das Baden im Sand können Fettpartikel aus dem Fell entfernt werden. Steht ihnen keine Badewanne mit Sand zur Verfügung, verklebt und verfilzt ihr Fell schnell. Gefüllt werden sollte die Badewanne mit feinem Chinchillasand. Spielsand oder Vogelsand ist zu grob und kann zu ernsthaften Verletzungen führen. Auf keinen Fall dürfen die Tiere in Wasser gebadet werden. Dies kann für Degus tödlich enden. Denn ihr Fell saugt sich in Sekundenschnelle mit Wasser voll und zieht das Tier durch sein Gewicht nach unten. Auch unter Aufsicht dürfen Degus nicht in Wasser gebadet werden, weil sie sich schnell erkälten.

Bei starken Fellverunreinigungen sollte man notfalls eine Schere nehmen und die betroffene Stelle vorsichtig herausschneiden. Dies ist kein Problem, da bei Degus das Fell nachwächst. Hartnäckige Verschmutzungen können auch ausnahmsweise mal mit einem leicht feuchten Waschlappen ausgerieben werden.

Zahnpflege

Auch die Zahnpflege ist bei Degus ein wichtiges Thema. Degus gelten als sehr nagefreudig – keine Plastikbadewanne ist vor ihnen sicher. Weil Plastik aber gefährlich ist, hat dieses Material in einem artgerechten Degu-Käfig nichts zu suchen. Stattdessen ist dafür zu sorgen, dass Degus genügend andere Möglichkeiten zum Nagen in ihrem Gehege finden. Dies ist sehr wichtig, weil ihre Zähne ständig nachwachsen und deshalb regelmäßig abgewetzt werden müssen. Werden die Zähne von Degus zu lang, sorgt dies für Schmerzen und kann zu Zahnfehlstellungen und Entzündungen führen. Die Folge davon: Die Tiere können die Nahrung nicht mehr richtig aufnehmen und verhungern mit der Zeit.

Um Zahnproblemen vorzubeugen, ist eine artgerechte Ernährung ebenso wichtig wie geeignetes Nagermaterial. Sehr wichtig ist Heu, das für einen gesunden Abrieb der Backenzähne sorgt. Für die vorderen Zähne bestens geeignet sind Äste, die auch gleichzeitig eine schöne Freizeitbeschäftigung darstellen. Gerne können die Äste auch Knospen und kleine Verästelungen haben.

Brauchen Degus Auslauf?

Regelmäßiger Auslauf sollte Pflicht sein, wenn man Degus hat. Allerdings kann auf den Auslauf verzichtet werden, wenn die Tiere in einem artgerecht eingerichteten und großem Gehege leben. Man sollte aber bedenken, dass sich Degus immer darüber freuen, ein neues Revier erkunden zu können. Gut ist, wenn die Degus zum Auslauf alleine aus dem Gehege können. Dies hat den Vorteil, dass sie sich die neue Umgebung punktgenau einprägen und gleichzeitig die Möglichkeit haben, bei drohender Gefahr wieder in ihren Käfig zu flitzen. Weil die Tiere nach einiger Zeit wieder alleine in ihren Käfig gehen, gibt es so auch keine Probleme beim Einfangen.

Natürlich sollten einige Vorkehrungen getroffen werden, bevor die Degus Auslauf bekommen. So müssen zum Beispiel giftige Zimmerpflanzen entfernt werden. Und auch Kabel werden gerne angenagt. Um dem vorzubeugen, sollten Kabel in Kabelkanäle eingezogen oder gleich unter dem Teppich oder nach oben verlegt werden. Bei Steckdosen muss an eine Kindersicherung gedacht werden. Außerdem muss gewährleistet sein, dass Türen und Fenster nicht einfach geöffnet werden. Degus können sich einklemmen als auch entwischen. Darüber hinaus sollte man darauf vorbereitet sein, dass beim Auslauf auch schon mal das ein oder andere kaputt gehen kann. Tapeten, Teppiche, Gardinen, Möbel und Bücher laden zum annagen ein.

Wer möchte, baut auch einen extra Auslauf für seine Tiere. Hierfür eignen sich Hartfaserplatten, die man an den Kanten mit Gewebeklebeband zusammenklebt. Diese Umzäunung kann schnell aufgestellt und Platz sparend zusammengeklappt werden.

Spielzeug und Abwechslung

Neben der Grundeinrichtung sollten Degus in ihrem Käfig auch Spielzeug, das für Abwechslung sorgt, finden. Der Kreativität sind hier keinerlei Grenzen gesetzt. Vieles kann man selbst bauen, einige Spielzeuge gibt es aber auch in Onlineshops oder im Zoofachhandel zu erwerben.

Nicht viel falsch machen kann man mit Bambusrohren, Korkrinde, Tontöpfen, Tonröhren sowie Wurzeln, Ästen und größeren Steinen. Diese kann man so anordnen, dass man seinen Degus die Möglichkeit gibt, das ganze Gehege von einem erhöhten Aussichtspunkt aus zu betrachten. Generell lieben Degus Versteckmöglichkeiten – an Spielzeug aus Steinen und Ästen sollte also niemals gespart werden. Wichtig ist allerdings, darauf zu achten, dass das Spielzeug so aufgestellt und angebracht wird, dass nicht einstürzen und die Tiere beim Herumtollen verletzen kann.

Nachfolgend einige Beispiele, wie man den Degu-Käfig abwechslungsreich gestalten kann:

  • Blumentöpfe, eventuell mit Erde füllen
  • Tunnel, die in einer Art Hürdenlauf angeordnet werden
  • Etagen, die mit Holzbrücken und Ästen verbunden werden
  • ausgehöhlte Baumstämme
  • Heunester
  • geschlossenes leeres Marmeladenglas mit warmem Wasser gefüllt – lädt zum Kuscheln ein
  • Hängematte, z.B. aus einem alten Shirt oder einem Geschirrtuch
Artgerechte Degu-Haltung
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