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Ernährung: Artgerechtes Futter für Chinchillas

Bei der Chinchilla-Ernährung kann man viel falsch machen. Und weil sich eine falsche Fütterung immer negativ auf die Gesundheit der kleinen Nager auswirkt, gilt es, Fehler zu vermeiden. Wir zeigen, welches Futter für Chinchillas gesund ist, weisen darauf hin, was nicht gefüttert werden sollte und zeigen mit einer detaillierten Futterliste genau, was auf dem Speiseplan landen darf.

Was gehört zu einer gesunden Chinchilla-Ernährung?

Was Chinchillas fressen dürfen, hängt maßgeblich davon ab, was ihr Körper gewohnt ist. Weil die Tiere ursprünglich aus den Anden kommen und damit in einer trockenen und vegetationsarmen Gegend leben, sollte man das Futter entsprechend auswählen. In freier Wildbahn finden die Tiere hauptsächlich magere Steppen, die mit Krautpflanzen, Gräsern und kleinen Büschen bewachsen sind. Früchte und Wurzeln finden sie nur selten, da sich ihre weichen Fingernägel und Pfoten nicht dazu eignen, Wurzeln auszugraben. Weil es in den Höhen, in welchen die Nagetiere wohnen, keine Obstbäume und nur wenige Sträucher gibt, an denen Früchte wachsen, ist der Verdauungstrakt der Tiere vorwiegend auf Pflanzennahrung eingestellt. Leider machen viele den Fehler, ihre Tiere zu gehaltvoll zu füttern. Dabei ist es wichtig, dass das Futter wenig Fett und Protein enthält. Stattdessen muss auf Kohlenhydrate, Mineralien, Vitamine und Rohfaser geachtet werden.

Wir zeigen Stück für Stück, welche Bestandteile zu einer artgerechten Chinchilla-Ernährung gehören.

Heu

Heu stellt immer das Grundnahrungsmittel für Chinchillas dar. Und genau deshalb muss hier auch auf Qualität geachtet werden. Weil es einen hohen Rohfaseranteil hat, hält es den Darm der Tiere in Schwung. Gleichzeitig ist Heu nützlich für den Zahnabrieb der Backenzähne und liefert viele Mineralien und Vitamine. Das beste Heu stammt aus dem ersten Schnitt und wird idealerweise ab Juni geerntet. Ein großer Vorteil dabei ist, dass dieses Heu grober ist und mehr Rauhfaser und Nährstoffe als der zweite Schnitt enthält.

Das Heu muss stets gut getrocknet sein. Es ist darauf zu achten, dass eine Trockenzeit von drei Monaten nicht unterschritten wird. Kaufen kann man zum Beispiel Heu, das Pferden gefüttert wird. Eher Abstand halten sollte man von Heu, das für Kühe angebaut wird. Dieses ist meistens nur aus wenigen Grassorten zusammengesetzt. Ganz zu schweigen davon, dass es nicht selten über dem Kuhstall gelagert wird. Möchte man selbst Heu trocknen, sollte man dieses auf Dachböden und in Jutesäcken sowie in Bezügen von Leinenkopfkissen lagern.

TIPP: Qualitativ hochwertiges Heu kann man sowohl im Internet als auch beim freundlichen Bauern nebenan finden. Gerade bei Letzterem kann man sich dann, wenn man regelmäßig Heu abnimmt, einen guten Preis machen lassen. Und man weiß, dass das Heu auch wirklich frisch ist und nicht schon wochenlang in irgendeinem Laden gelagert wurde.

Getrocknete Kräuter, Blüten und Blätter

Täglich auf dem Speiseplan stehen sollten auch getrocknete Kräuter, Blüten und Blätter. Damit sich das Chinchilla langsam daran gewöhnt, sollten zunächst lediglich einzelne Kräuter, Blätter und Blüten angeboten werden. Später kann man auch möglichst viele Komponenten zusammenmischen und den Tieren damit Abwechslung auf dem Speiseplan bieten. Auf unserer Futterliste zeigen wir genau, welche Kräuter, Blüten und Blätter in getrockneter Form angeboten werden dürfen.

TIPP: Getrocknete Kräuter, Blüten und Blätter werden am besten in Blechdosen gelagert oder aber in Holzschachteln, die zuvor mit Papier ausgelegt werden, aufbewahrt. So kann Restfeuchte entweichen und das Futter fängt nicht an zu schimmeln. Kaufen kann man getrocknete Kräuter, Blüten und Blätter sowohl in der Apotheke als auch im Internet oder in einem speziellen Kräuterladen.

Frische Kräuter, Blüten und Blätter

Auch frische Kräuter sind bei der artgerechten Chinchilla-Ernährung ein Muss. Allerdings stellt dies viele Halter gerade im Winter vor eine große Herausforderung. Wichtig ist, die kleinen Nager Schritt für Schritt an das frische Futter zu gewöhnen. Am Anfang sollten ausschließlich kleine Mengen pro Fütterung gereicht werden. Erst dann, wenn sich der empfindliche Darm auf die Fütterung frischer Kräuter, Blüten und Blätter eingestellt hat, können auch größere Mengen gereicht werden. Im Sommer sollte nach Möglichkeit täglich frisches Grünfutter auf dem Speiseplan stehen.

TIPP: Im Winter kann man Kräuter, Blüten und Blätter selbst anbauen. Hilfreich dabei ist ein so genanntes Zimmergewächshaus, bei welchem die Luftfeuchtigkeit und Temperatur reguliert werden kann. Wichtig ist, das Futter vor dem Verzehr immer zu waschen und zu trocknen.

Obst und Gemüse

Viele Experten sprechen sich dagegen aus, Chinchillas Obst und Gemüse in frischer Form zu füttern, weil die Tiere davon Durchfall bekommen. Allerdings spricht nichts dagegen, seinem kleinen Liebling hin und wieder frisches Obst, Grünfutter und Gemüse zu erreichen. Kleine Mengen Knollengemüse werden von den Tieren sehr gut vertragen und sorgen für Abwechslung auf dem Speiseplan. Sofern die Tiere davon Durchfall bekommen, sollte die Menge verringert werden. Eher selten gefüttert werden sollte Obst, weil dieses durch den vielen Zucker viel zu reichhaltig ist.

Trockenfutter

Leider machen viele Halter es sich einfach, indem sie ihren Chinchillas Trockenfutter geben. Dabei enthält dieses meistens zu wenig Mineralien und Vitamine. Pellets sollten aber nur eine Notlösung bleiben, um seinen Tieren die benötigten Nährstoffe zuzuführen. Weil Pellets aber auch Melasse, Getreide, Zucker und zermahlene Rohfaser enthalten, sind sie auf keinen Fall die ideale Ernährung für Chinchillas.

TIPP: Wer seine Chinchillas bei einem Züchter kauft, lässt sich am besten von diesem beraten, welche Pellets bisher gefüttert wurden und lässt diese zunächst weiter auf dem Speiseplan.

TIPP: Pro Tag sollte das Chinchilla aber nicht mehr als einen Esslöffel Pellets bekommen. Tiere, die derzeit viel Stress haben, dürfen gerne etwas mehr davon bekommen. Gut ist, wenn zusätzlich zum Pelletfutter noch hochwertige Cobs, wie etwa Pre Alpin Lepo Herbs, angeboten werden.

TIPP: Auch Pellets lagert man am besten in einer Blechdose oder einer Holzschachtel, die mit Papier ausgeschlagen wird. Auf keinen Fall sollten Pellets länger als vier Monate gelagert werden.

Sämereien

Wer möchte, ersetzt einen Teil der Pellets durch Sämereien von verschiedenen Kräutern und Grassamen. Eine Mischung, die zu 40 % aus Grassamen und zu 60 % aus Kräutersamen besteht, ist genau richtig.

Zweige

Zum Abwetzen ihrer Zähne brauchen Chinchillas unbedingt Zweige. Diese sollten ihnen immer zur Verfügung stehen. Bevor man die Zweige getrocknet, müssen sie gereinigt und alle Blätter entfernt werden. Weil Zweige beim Obstbauern gespritzt sein könnten, sollten ausschließlich Zweige aus dem eigenen Garten verwendet werden. Hin und wieder dürfen auch frische Zweige mit Blättern gefüttert werden. Allerdings nur dann, wenn die Chinchillas frisches Grünfutter gewohnt sind.

Leckerlis

Oftmals kann man seinem kleinen Liebling einfach nicht abschlagen, ein Leckerlie zu geben. Es gibt normalerweise auch nichts, das dagegen spricht – sofern man ausschließlich gesunde Leckerchen anbietet.

Welche Leckerlis dürfen Chinchillas bekommen?

Zu den gesunden Leckereien gehören vor allem getrocknetes Obst und getrocknetes Gemüse. Da beides aber stark zuckerhaltig ist, sollte es nur selten auf dem Speiseplan stehen. Und man muss beobachten, ob die Chinchillas davon Darmprobleme bekommen.

TIPP: Besonders als Leckerli geeignet sind Apfel und Rosine, Hagebutte sowie Johannisbrot. Auch getrocknetes Gemüse kommt infrage.

Welche Leckerlis sind für eine gesunde Ernährung ungeeignet?

Die meisten Leckerlis, die es im Zoofachhandel zu kaufen gibt, sind alles andere als gesund und sollten den Tieren zuliebe nicht auf dem Speiseplan landen. Zu den Leckerlis, die für Chinchillas schädlich sein können, gehören Drops, Nagerstangen und andere Produkte, die mit Zucker versehen sind. Weil sie einen hohen Stärkeanteil besitzen und nur schwer verdaut werden können, sollte auch Abstand von Nüssen, Kernen und Getreide gehalten werden.

Auf keinen Fall etwas Gutes tut man seinem kleinen Liebling, wenn man ihm altes, hartes Brot anbietet. Dieses hilft nämlich nicht beim Zahnabrieb und gelangt nur noch als aufgeweichter Stärkebrei zu den Zähnen. Ganz zu schweigen von der schwer verdaulichen Stärke, den Konservierungsstoffen, Backtriebmittel und Salz.

Eigene Futtermischungen kreieren

Ganz wichtig ist, Chinchillas beim Essen genügend Abwechslung zu bieten. Viele stellen deshalb eigene Futtermischungen her und lassen ihrer Kreativität dabei freien Lauf. Dies hat den Vorteil, dass man auf die individuellen Vorlieben seiner Chinchillas eingehen kann. Ganz zu schweigen davon, dass es meistens günstiger ist, eigene Futtermischungen zu kreieren.

Vor allem, was getrocknete Kräuter, Blüten und Blätter anbelangt, ist Abwechslung bei der Fütterung sehr wichtig. Gleichzeitig kann man sich durch eigene Mischungen danach richten, was gerade Saison hat, bzw., welches Futter man eventuell sogar selbst anpflanzen kann.

Eine Futterumstellung sollte nur langsam erfolgen

Wer neue Chinchillas bei sich zuhause aufnimmt, sollte bedenken, dass es sehr wichtig ist, das Futter nur langsam umzustellen. Chinchillas haben eine sehr empfindliche Darmflora, die bei einer zu schnellen Futterumstellung schnell aus dem Gleichgewicht geraten kann. Im neuen Zuhause angekommen, sollten Chinchillas ganz langsam an eine andere Fütterung gewöhnt werden. Sinnvoll ist, sich eine Tüte mit dem gewohnten Futter vom Züchter mitgeben zu lassen und nur nach und nach auf neues Futter umzustellen.

Wenn man Chinchillas in ihr neues Zuhause geholt hat, sollte das Verhältnis zwischen gewohntem und neuem Futter am Anfang bei 80 zu 20 % liegen. In der zweiten Woche kann der Speiseplan bereits zu 30 % aus dem neuen Futters bestehen. Jede Woche wird dieser Anteil dann um 10 % gesteigert, bis man das Chinchilla komplett an die neue Ernährung gewöhnt hat.

Während der ersten Wochen sollte man den Kot der neuen Tiere genauer betrachten. Denn an ihm lässt sich feststellen, ob die Chinchillas Probleme bei der Futterumstellung haben. Wenn dies der Fall ist, sollte die Umstellung auf das neue Futter noch langsamer erfolgen.

Brauchen Chinchillas Futterzusätze?

Denjenigen, die zum ersten mal Chinchillas im Zoofachgeschäft kaufen, werden oftmals zahlreiche Futterzusätze angeboten. Dabei sind Salzlecksteine überflüssig und können Chinchillas sogar schaden. Bei einer guten Ernährung werden genügend Salze und Mineralien über das Futter aufgenommen.

Ebenso Abstand gehalten werden sollte von Kalksteinen. Diese enthalten nämlich nicht nur Kalzium, sondern auch andere, unbekannte Zusätze. Meistens nagen Chinchillas aus Langeweile zu stark daran und können so ernsthafte gesundheitliche Probleme bekommen.

Oftmals werden auch Vitamine als zusätzliche Ernährung propagiert. Ernährt man seine Chinchillas jedoch artgerecht und gesund, sind Vitaminzusätze vollkommen überflüssig. Eine Überdosierung kann sogar für Krankheiten sorgen.

TIPP: Salzlecksteine können im Ernstfall für starke Nierenprobleme sorgen, bis hin zum Nierenversagen und damit zum Tod des Tieres führen.

TIPP: Kalksteine können bei Chinchillas zu Harnsteinbildung und zu einer Organverkalkung führen. Zwar schadet ein gelegentliches Nagen am Kalkstein nicht, da man jedoch nie weiß, wie viel Kalzium die Tiere aufnehmen, sollte man besser keine Kalksteine in das Gehege hängen.

Wie wichtig ist Wasser?

Wasser ist für Chinchillas überlebenswichtig. Deshalb müssen sie rund um die Uhr Wasser in ihrem Käfig zur Verfügung haben. Dieses sollte täglich gewechselt werden. Wichtig ist auch, auf eine weiche Wasserqualität zu achten.

Futterliste für Chinchillas

Anhand der nachfolgenden Futterliste für Chinchillas zeigen wir, aus welchen Bestandteilen eine artgerechte Ernährung bestehen kann und sollte.

Kräuter und Blüten

  • Dill
  • Disteln
  • Brennnesselkraut
  • Hibiskusblüten
  • Kornblumenblüten
  • Liebstöckel
  • Schafgarbenblüten
  • Ringelblumenblüten
  • Luzerne
  • Rosenblüten
  • Malve
  • Löwenzahn
  • Ringelblumenblüten
  • Zitronenmelisse
  • Sonnenblumenblüten
  • Rosenblüten
  • Topinambur
  • Spitzwegerich
  • Gänseblümchen
  • Echinacea
  • Kamille
  • Oregano

Blätter

  • Brombeerblätter
  • Johannisbeerblätter
  • Pfefferminzblätter
  • Buchenblätter
  • Kirschblätter
  • Weidenblätter
  • Pappelblätter
  • Apfelblätter
  • Haselnussblätter

Zweige

  • Apfelbaum
  • Haselnuss
  • Heidelbeere
  • Johannisbeere
  • Pappel
  • Erle
  • Linde
  • Birnenbaum

Obst und Gemüse

  • Möhren
  • Sellerie
  • Fenchel
  • Pastinaken
  • Hagebutte
  • Apfel
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